Radreisen

Die verschiedenen Gattungen der Reiseradler – Teil 2

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Im ersten Teil meiner Beschreibung der verschiedenen Gattungen der Reiseradler habe ich dir den Genussradler, den Hunderter und den Abenteurer vorgestellt. Im zweiten Teil möchte ich dir noch drei weitere Gattungen vorstellen. Danach bist du für die meisten Begegnungen unterwegs, gut gerüstet.

Der „Reisende“

Der Reisende ist ein Radreisender aus der Familie der Weltenbummler. 

Verbreitung:
Wir haben ihn bei all unseren Radreisen innerhalb von Europa beobachten können. Er wird aber regelmäßig in Asien, Afrika und im Rest der Welt gesichtet.

Lebensraum:
Das Verbreitungsgebiet des Reisenden erstreckt sich über die ganze Welt. Er fühlt sich auf Radwegen, Landstraßen aber auch Feld- und Waldwegen zuhause. Meist verbindet er seine Wege so geschickt, dass er an möglichst vielen schönen Orten vorbei kommt. Gemieden werden Bettenburgen und All inklusive Hotels. 

Zur Nahrungssuche werden oft Cafés und Restaurants aufgesucht, wenn sie am Wegesrand liegen und einladend wirken. Bevorzugt werden Lokalitäten in denen Einheimische verkehren, denn der Reisende möchte beim Essen fremde Kulturen kennenlernen.

Bei der Wahl seiner Schlafplätze ist der Reisende dem Hunderter sehr ähnlich. Er nächtigt in Hotels, Pensionen aber auch auf Campingplätzen oder einfach Wild.

Ernährung: 
Viele Reisende führen beeindruckende Mengen an Lebensmitteln mit sich. Oft ist die Qualität und die Auswahl so groß, dass einem selbst das Wasser im Mund zusammen läuft, wenn man auf den gefüllten Tisch schaut. Reisende verfügen aber auch über eine gewisse Leidensfähigkeit, sodass sie sich zeitweise auf wenige und leichte Nahrung beschränken können. Dies geschieht meist dann, wenn sie auf längeren Abschnitten fern ab der Zivilisation unterwegs sind. Seit aber gewiss: Ein Reisender füllt seine Taschen bei nächster Gelegenheit und schlägt auf seinem Weg auch keine Einladung zum Abendessen aus. Die Neugier treibt ihn an, sodass er fern von Zuhause auch Nahrung zu sich nimmt, die er noch nie zuvor gegessen hat.

Verhalten: 
Ein reinrassiger Reisender fragt nicht nach Kilometern oder Höhenmetern. Sein Fokus liegt auf Fragen nach den schönsten Orten. Seine Erwartungshaltung an den Gesprächspartner ist hoch. Um ein längeres Gespräch mit ihm zu führen, muss man die Gabe besitzen, die schönen Orte in den buntesten Farben zu beschreiben. Auch Gerüche, Geräusche oder Gefühle sollten eingebunden werden. Gerne schaut er sich hochwertige Bilder an. Damit sind keine Schnappschüsse gemeint, denn er selbst investiert viel Zeit und Mühe, um mit den „perfekten“ Aufnahmen nach Hause zu kommen.

Diese „perfekten“ Aufnahmen braucht er auch für seine Reiseberichte, mit denen er seine Freunde, Kollegen aber auch Fremde „beglückt“.

Fortpflanzung: 
In einigen Fällen soll es vorgekommen sein, dass Reisende ihren Nachwuchs über die Welt verteilen.

„Mr. Kreditkarte“

Mr. Kreditkarte ist ein Radreisender aus der Familie Minimalisten

Auf den ersten Blick kann man den Mr. Kreditkarte nicht von Tagesausflüglern und Rennradfahrern unterscheiden, da er keine bzw. nur eine ganz kleine Tasche auf seinem Fahrrad mitführt. Meist ist er auf dem Rennrad unterwegs.

Verbreitung:
Aufgrund der Tatsache, dass Mr. Kreditkarte nur schwer von den Rennradfahrern zu unterscheiden ist, lässt sich sein Verbreitungsgebiet aktuell nur bedingt einschätzen. Bis jetzt wurde er meist auf gut asphaltierten Land- und Nebenstraßen gesehen. Die Wissenschaftler arbeiten zur Zeit an neuen Beobachtungsverfahren, mit denen sie die Verbreitung von Angehörigen der Gattung Mr. Kreditkarte erforschen können.

Lebensraum:
Sein natürlicher Lebensraum beschränkt sich auf gut ausgebaute und asphaltierte Radwege bzw. Landstraßen. Gerne fährt er über Berge und Pässe, um die Vorteile seines leichten Gepäcks voll ausnutzen zu können.

Zur Nahrungssuche werden ausschließlich Cafés und Restaurants aufgesucht. Wichtig ist die Möglichkeit per Kreditkarte zahlen zu können.

Bei der Wahl der Schlafplätze ist Mr. Kreditkarte eher unflexibel. Von ihm werden hochwertige Hotels mit Sauna und einem großzügigen Frühstück bevorzugt. Auch hier ist das bevorzugte Zahlungsmittel die Kreditkarte. Außerdem greift er gerne auf angebotene Dienstleistungen, wie den Waschservice zurück. Im Hotelzimmer hinterlässt er nach seiner Abreise angebrochene Duschgelflaschen, die das Hotel den Gästen zur Verfügung stellt.

Ernährung: 
Die kulinarischen Ansprüche von Mr. Kreditkarte sind hoch. Das wird durch sein großzügiges Budget, mit dem er unterwegs ist, begünstigt.

Verhalten:
Durch seine gute Tarnung ist Mr. Kreditkarte nur schwer von Tagesausflüglern und Rennradfahrern zu unterscheiden. Aus diesem Grund ist es schwierig ihn in der Menge ausfindig zu machen. Meist erkennt man ihn an seinem überlegenen Grinsen, wenn er Radfahrer mit vielen Packtaschen überholt. Ins Gespräch mit ihm zu kommen ist, aufgrund seines hohen Tempos und der abweichenden Auswahl an Futter- und Schlafstellen, schwierig.

Fortpflanzung: 
Sein Verhalten führt dazu, dass bei den Kenntnissen um die Fortpflanzung noch große Wissenslücken bestehen. Ein Teil der Wissenschaftler vermutet, dass Mr. Kreditkarte in seinem Zuhause ein Gucci Weibchen hat, dass die Kinder hütet, während er abwesend ist. Diese Theorie konnte aber bisher nicht bewiesen werden.

Der „Frischling“

Der Frischling ist ein Radreisender aus der Familie der Unbefleckten

Den Frischling erkennt man an seinen sauberen und nagelneuen Packtaschen. Ebenso trägt er entweder neue Radbekleidung oder gar keine. Oft ist er ohne Helm aber dafür mit einem zusätzlichen Rucksack auf dem Rücken unterwegs.

Verbreitung:
Wir haben ihn bis jetzt in allen Ländern innerhalb von Europa antreffen können. Gehäuft haben wir ihn aber auf Fernradwegen beobachtet.

Lebensraum:
Er hat noch keinen festen natürlichen Lebensraum, da er sich noch in der Erkundungsphase befindet. In dieser Phase probiert er verschiedene Lebensräume aus, um sich ein Bild von ihnen zu machen. Nach einigen Jahren, manchmal auch nur Wochen, entscheidet er sich für einen Lebensraum. Das ist der Zeitpunkt, in dem er zu einem Hunderter, einem Abenteurer oder einem Reisenden mutiert. Zu beachten ist, dass einige Frischlinge die Phase der Mutation nicht erreichen. Diese Exemplare werden des öfteren auf der AIDA gesichtet.

Die Nahrungssuche ist für den Frischling ein wichtiges Thema. Oft sieht man ihn in Supermärkten durch die Gänge schleichen. Meist mit einem ratlosen Gesichtsausdruck, weil er nicht sicher ist, was er auf seinem Kocher zubereiten kann. Alternativ hat er keinen Kocher und fragt sich, was er ungekocht essen kann.

Bei der Wahl der Schlafplätze ist der Frischling sehr flexibel. Bevorzugt werden Plätze an denen er gleichgesinnte vermutet.

Ernährung: 
Der Frischling isst, was ihm schmeckt. Er stimmt die Auswahl seiner Lebensmittel nicht auf die Bedürfnisse seines Körpers ab. Bei vielen Exemplaren wird auf Frischkost komplett verzichtet. Steht ein Frischling nah vor der Mutation, verändert sich sein Essverhalten. Er irrt dann weniger oft durch die Gänge des Supermarktes und auch der Gesichtsausdruck wird bei der Jagd entspannter.

Verhalten:
Trifft man auf einen Frischling, kann man sich sicher sein, dass ein langer Abend bevorsteht. Er kann einen stundenlang mit Fragen löchern. Oft bedeutet dies für den Gesprächspartner eine Einweisung in die Fahrradtechnik und das Reifen flicken. In einigen Fällen werden vor Ort Korrekturen an der Packtechnik oder den Fahrradeinstellungen vorgenommen. Auch Empfehlungen zur Krafteinteilung werden vom Frischling gerne angenommen.

Fortpflanzung: 
Der Frischling ist oft alleine unterwegs. Aufgrund seines jungen Alters hat er keine Schwierigkeiten eine Partnerin zu finden. Seine Abende sind oft lang und lustig.

Auch in diesem Fall gibt es neben den hier vorgestellten Arten verschiedene Mischformen.

Findest du dich in einer Gattung wieder? Haben wir jetzt alle unser Fett weg bekommen oder habe ich eine Gattung vergessen?

2 Kommentare

  1. Wozu gehören den die MAMILs?

    • Hey Micha,

      wenn mir auf Radreisen MAMILs begegnet sind, haben sie meist ganz gut in die Gattung der Hunderter gepasst. Meinst du es ist in Ordnung, wenn wir sie dort einordnen oder verdienen sie eher eine eigene Gattung?

      MAMILs sind: middle aged man in lycra

      Liebe Grüße

      Daniela

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